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Die Vorgeschichte: The Salivary Glands Uwe's Hähnchengrill Die Proberäume



Der allererste Proberaum war der Videoraum in unserem wunderschönen Schulzentrum. Ein 50 qm großer Raum, der nicht weiter der Erwähnung wert ist.Nach diversen Räumen in der Schule wurden wir dann zum Glück in die schuleigene Aula abgeschoben. Ein Traum für jeden Rockstar - ein Raum für Rockstar-träume. Für 2 Jahre nervten wir die Rußlanddeutschen, die in den Nebenzimmern versuchten, der deutschen Sprache mächtig zu werden, und denen zwei mal pro Woche ein vollmotiviertes Ican`t get no ...Satisfaction entgegenschrie.

Es gab eine riesige Lichtanlage mit herunterfahrbaren Frontspots, die wir ständig einsetzten sowie einen Vorhang, mit dem man die Aula komplett abdunkelten konnten, um astreines Konzertfeeling zu erreichen. Am wichtigsten war jedoch das Equipment der Schul-Bigband,das wir komplett benutzten konnten. Als wir zu lange zu laut wüteten und immer mehr leere Stubbis das hochgeistige Ambiente dieser, auch für die weltbekannten "Dahner Sommerspiele" genutzten, Arena beleidigten, wurden wir in den Orchestergraben unter der Bühne verbannt. War auch schön da.

Irgendwann ist alles vorbei, und so mußten wir uns nach geeignetem Ersatz umsehen. Zuflucht fanden wir in Gaidas kleiner Gartenhütte , einem Ex-Hühnerstall. Einen Winter lang konnten wir die Nachbarn entzücken. Holzhacken war angesagt um den kleinen Holzofen anzufeuern. Natürlich hatten wir auch jedes mal Tommy und Peter Koch zu Besuch, die die Proben zu Happenings werden ließen. Letzteren ernannten wir kurzerhand zu unserem Manager, um ihm eine sinnvolle Daseinsberechtigung zu liefern, was zur Folge hatte, daß wir bestens lernten , unsere Instrumente im bedröhnten Zustand zu spielen. Eine ,wie sich herausstellen sollte, sehr wichtige Fähigkeit. Ulis Vater schmiß uns raus.

Loserbands wären verzweifelt, wir blieben cool. Es schlug die Stunde unseres eiskalten, stets einen klaren Kopf bewahrenden Managers. In Dahn, einem der seltsamsten Städtchen links der Milchstraße mit ca 6000 Einwohnern, idyllisch im Wasgau gelegen( nebenbei das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas- was Erklärung für einen Teil unserer Mentalität sein könnte), gibt es eine Menge Kneipen. Die Leute leben quasi in Kneipen (Uli: Sebastian nicht mehr ganz so, denn er hat fast überall Hausverbot, nachdem er vorher fast überall gearbeitet hatte)(Sebastian: Einer meiner Chefs, Bernd S. vom Café Central gab mir mal die Lebensweisheit mit auf den Weg: Junge, egal wo du bist, schau immer, daß du in Frieden gehst, dann biste immer wieder gern gesehen.- Zahlen und Telefonnummern konnte ich mir schon immer gut merken, aber Sprüche...).

Die wahrscheinlich seltsamste Auswuchs von Trinkhalle war das "Wagenrad": Hier trafen sich in einem viel zu großen Raum( 200qm)verloren sich zu dem Zeitpunkt ein paar ( max.5) hartgesottene ,Grönemeyer und Marianne Rosenberg-hörende "Rocker"( Der ortsansässige Motorradclub heißt MC CHE, wobei sie sich selbst falsch aussprechen, und alles andere als Revolutionäre, geschweige denn Kommunisten sind.) sowie ein paar ( max.3) ältere Bierakrobaten.(In Dahn liebevoll Stars genannt.) Unser Manager ließ seine Beziehungen spielen und besorgte uns in diesem edlen Etablissement einen Proberaum, und zwar im GETRÄNKELAGER. Zuallerst war dieser Raum voller Scheiße, sprich Gerümpel jeglicher Art. Beim Entmüllen fanden wir auch sehr interessante Papiere des Sohnemanns der Kneipenwirtin Sveta, dem sagenumwobenen ("Dagegen") BW, der im Mittelpunkt der abenteuerlichsten Gerüchte/Stories stand und steht. Der Inhalt dieser Papiere fällt leider unter den Datenschutz.

Nach der Entrümpelungsaktion und spärlicher Schalldämmung sahen wir uns einem der fantastischsten Räume, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Welche aufstrebende Nachwuchsband kann schon behaupten, im Proberaum mit Schnäpsen und Bier bedient worden zu sein. Ich meine, wir hatten eine Bedienung.

Eddy. Eins der vielen Phänomene, das die Stadt Dahn zustandegebracht hat. Der Junge ist Engländer war nur in Urlaub, Gott weiß warum in Dahn, und hat sich festgesoffen. Auf jedenfall war er über Jahre eine gerngesehen Persönlichkeit, und definitiv ein international angesehener Star. Unvergessen die unzähligen Sit-ins in seinem konspirativen Kellerloch, das er selbst in seinen schwachen Momenten als Wohnung bezeichnete. ("Skin up, please. This one's personal!") Hier konnte man sich als Rockstar so richtig ausleben.

Tommy war schlichtweg von den Socken, und hatte gar keine andere Wahl, als bei uns einzusteigen. Das "Wagenrad" war die optimale Platform, um unsere Botschaft, die wir nicht hatten, der Welt ins Gesicht zu schleudern. Hier gaben wir Konzerte par excellence. Die Sache verselbstständigte sich und der Laden wurde zur In-Kneipe, auch für Gymnasiasten und die intellektuelle Elite unseres Dunstkreises. Wie die FAZ urteilte: "Biste im Wagenrad, biste in! Ein absolutes Szene-Muß." Hier entstand auch die Idee zur Gründung des Dahner Subkulturkreises e.V., der nie eingetragen wurde.

An einem Karnevalswochenende gaben wir dort ein 2 Tage andauerndes Konzert, brachen mit Leichtigkeit den Besucherrekord und vertranken einen beträchtlichen Gegenwert. Getränkefrei war natürlich im Voraus vereinbart. Der Proberaum wurde kurzerhand zum Backstagebereich ernannt, in dem sich etwa 50 international erfahrene und angesehen Alleskönner und Nixkenner sich austobten. Sie waren aller Disziplinen des Nachtlebens mächtig. Glorreich. Ich habe in meinem Leben, und ich hab schon einiges erlebt, sowas noch nicht gesehen.

Als der Laden später schloß, um einem Schuhgeschäft, das inzwischen durch eine Boutique abgelöst wurde, zu weichen, schrieb BILD: "Deutschland trauert! Danke Sveta für unvergessene Nächte!"

Der nächste Proberaum war keiner, sondern es war einfach das Wohnzimmer einer richtig geilen WG in einem Paarhundertseelenkaff namens Schindhard. Danke Xavier. Danke Dr. Nulp. Wir namen das Zimmer zwar nicht lange in Anspruch, aber dieses Domizil war schon über Jahre eine gern gesehene Anlaufstelle. Die Feten an Heiligabend waren berühmt. Sogar unsere Freunde und Helfer, die regionalen Ordnungshüter, schauten öfter mal rein und beendeten regelmäßig die Feierlichkeiten am späten Vormittag des ersten Weihnachtsfeiertages. Über Jahre eine Institution. Bunte: "5 Sterne, Dr. Nulp kriegt sie alle."